Tag Archives: Playa de Palma

Wir faulen Südländer

9 Sep

Ich arbeite selbstständig, was nach einem geflügelten Wort bedeutet, dass ich selbst und ständig arbeite. Also auch jetzt, am Sonntagmorgen, während meine potentiellen Kunden, die deutschen Urlauber an der Playa de Palma das Hotelfrühstück verzehrt haben und sich mit bereits aufgeblasenen Luftmatratzen, Sonnenschirmen und blauen Sangria-Eimern sperrig bepackt der allmorgendlichen Touri-Karawane anschliessen, die sich von den Hotels in Richtung Strand wälzt.  Zugegeben – so einen Blog zu schreiben ist keine wirklich harte Arbeit und eigentlich mache ich das auch nur, um den Zeitpunkt noch ein bisschen hinauszuzögern, wo ich mir Besen, Wischmopp und Eimer greifen muss, um an meinem freien Tag zu Hause Klar Schiff zu machen.

Allerdings arbeiten auch spanische Bauarbeiter, wenn sie denn noch Arbeit haben, mindestens den halben Samstag, und mein Nachbar José, der neben unserer Radstation einen Souvenirladen betreibt, tut das sieben Tage die Woche von 9:00 bis 21:00. Nur in den brütendheissen Monaten Juli und August gönnt er sich zwischen 14:00 und 16:00 eine kleine Siesta, weil dann eh keine Touristen vorbeikommen.

Apropos Siesta, auch so ein nordlichterndes Vorurteil. Die ist in vielen Geschäften und bei den meisten Bürojobs schon lange auf eine knappe Stunde reduziert worden, die beispielsweise von den KassiererInnen und Einräumern der spanischen Supermarktkette Mercadona romantisch zwischen parkenden Kundenautos auf der Bordsteinkante sitzend mit Pausenbrot und Coca Cola Zero verbracht wird. Pausenräume für die MitarbeiterInnen gibt es aus Kostengründen nämlich nicht.

Das Verschwinden der Siesta hat allerdings  weniger mit den EU-Sparauflagen zu tun, als mit dem Siegeszug der Klimaanlagen, durch die nicht nur die Besiedelung Floridas, sondern – etwas zeitversetzt – eben auch das Arbeiten in Spanien während der Mittagshitze möglich wurde.

Viel mit der EU zu tun  hat allerdings die am 1.September in Kraft getretene Erhöhung der Mehrwertsteuer von bisher 18% auf jetzt 21%.

Ich vermarkte meine Touren nämlich nicht nur über diese Website sondern auch mit Hilfe der an der Playa de Palma präsenten deutschen Reiseveranstalter. Da wir mitten in der Sommersaison nicht die Preise erhöhen wollten, tragen wir also bis Saisonende die Steuererhöhung gemeinsam. Das macht bei mir knapp €100 im Monat aus, die mir jetzt im Portemonnaie fehlen. Ich will aber gar nicht klagen. Das überlasse ich den spanischen Arbeitslosen, die inzwischen – zwangsgeräumt –  wieder bei ihren Eltern, bzw. häufig sogar mit ihren ebenfalls arbeitslosen  Eltern bei den pensionierten Grosseltern wohnen. Und von Hartz IV nur träumen können, siehe hier: Arbeitslosenhilfe in Spanien

Aber was tut man patriotischerweise nicht alles um die darbenden Banken zu retten. Schliesslich gilt auch in Spanien:

Ist die Bank gesund, freut sich der Mensch!Spanische Bank. Abb. ähnlich

 

Willi Kramme

Weiter zu den Radtouren

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: