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Feuchtgebiete

29 Nov

Feuchtgebiete kommen in der LITERAtur inzwischen recht häufig, in der NAtur aber immer seltener vor. Wussten Sie, dass die Partymeile hinter dem Ballermann 6 früher ein Sumpf war? Heute ja irgendwie auch wieder, damals aber nicht mit Schluckspechten, sondern mit Enten, Reihern (!) und übrigens auch Anopheles-Mücken. Das sind die, die Malaria verbreiten. Und Malaria gab es, man mag es kaum glauben, am heutigen Ballermann bis ins 19. Jahrhundert. Als Gegenmittel wurde Palo verabreicht. Ein von mallorquinischen Mönchen erfundener Schnaps, der neben Johannisbrot und Enzian auch Chinarinde enthält, und die wurde später der Grundstoff für das Malariamittel Chinin.

Malaria haben wir auf Mallorca zum Glück inzwischen nicht mehr, aber noch ein klitzekleines Feuchtgebiet. Das heisst ‚Ses Fontanelles‘ und befindet sich bei Can Pastilla, gleich am Anfang der Playa de Palma.

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Wenn man auf der Autobahn von Palma kommend bei der Ausfahrt 10 abbiegt, kommt man direkt daran vorbei. Gegen Abend sieht man dort gleich neben der Strasse hinter Schilfrohr die Schlafbäume von etwa 60 dort beheimateten Weissreihern. Die sitzen bei Sonnenuntergang zuhauf auf diesen Bäumen. Sieht ein bisschen so aus, als ob es geschneit hätte, und zwar  ziemlich dicke Flocken.

Nicht mehr lange! Denn auch dieser Sumpf, neben dem Naturschutzgebiet Albufeira Park bei Alcudia der letzte auf Mallorca, wird nun trockengelegt. Geschafft haben das millionenschwere Investoren in enger Kooperation mit der lokalen Politik, die sich im Trockenlegen von Sümpfen bestens auskennt. Im hiesigen Gefängnis gibt es inzwischen einen eigenen Trakt für wegen Korruption verurteilte Politiker. Immerhin.

Schon vor Jahren wurde in der südöstlichen Ecke von ‚Ses Fontanelles‘ das durchaus besuchenswerte „Palma Aquarium“ errichtet. Immerhin eine schonende und sozusagen artgerechte Bebauung. Was aber kommt nun und legt den Sumpf endgültig trocken? Na, kommen Sie drauf?

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Genau, ein Einkaufszentrum! Davon haben wir nämlich viel zu wenige auf unserer Sonneninsel und das nächstgelegene ist immerhin drei endlos lange Kilometer entfernt. Ein deutlicher Bedarf also, auch wenn die Kaufkraft der Einheimischen seit 2008 dramatisch gesunken ist und immer mehr Touristen immer weniger Geld ausgeben. Arbeitsplätze heisst auch hierzulande das Zauberwort. 4000 werden hier angeblich geschaffen. Unerwähnt bleibt, dass die woanders verloren gehen. Ganz besonders im familiären Einzelhandel. Ein klares Nullsummenspiel –  Vorteil Investoren. Ein Leser der Lokalzeitung ‚Ultima Hora‘ hat es in einem Kommentar auf den Punkt gebracht: „Detras de una gran excavadora siempre hay un pequeño politico, con un gran bolsillo“ – Hinter einem grossen Bagger steht immer ein kleiner Politiker mit einem grossen (noch zu füllenden) Geldbeutel.

Hier können Sie sich jetzt nochmal angucken, was Sie bei Ihrem nächsten Malle-Urlaub nicht mehr sehen werden!


Ein richtig traurig stimmendes Video. Leider gibt es ausser meinem Blog kaum Informationen auf Deutsch oder Englisch zu diesem Thema. Die Bürger-initiative ‚Salvem Ses Fontanelles‘ ist aber mit sehenswertem Bild- und Videomaterial bei facebook und YouTube vertreten

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