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Happy Birthday Bruder Juniper!

23 Nov

Gemeint ist Junipero (auf Katalanisch Juniper) Serra, ein Franziskanermönch aus dem Zweieinhalbtausend-Seelen-Städtchen Petra, das ziemlich mittig auf Mallorca liegt. Der würde nämlich am Sonntag, dem 24. November 2013 dreihundert Jahre alt werden. Mitfeiern kann er selbst natürlich nicht mehr, denn er ist schon am 28. August 1784 einundsiebzigjährig in Carmel bei Monterry in Kalifornien gestorben.

Diesen Ort, bzw. die Misión de San Carlos Borromeo de Carmelo, aus der der Ort entstand, hatte er 13 Jahre vor seinem Tod selbst gegründet. Carmel erlangte übrigens einen gewissen neuzeitlichen Ruhm, weil  Clint Eastwood dort einige Jahre Bürgermeister war und immer noch dort wohnt. Aber das nur nebenbei – zurück zu unserem mallorquinischen Franziskanermönch. Der ist nämlich der berühmteste Mallorquiner überhaupt. Noch berühmter als selbst das Tennis-As Rafael Nadal oder gar Jürgen Drews, obwohl letzterer ja immerhin selbst proklamierter König von Mallorca ist. Im deutschen Sprachraum ist Serra allerdings kaum bekannt, und auch der durchschnittliche Urlauber an der Playa de Palma kann im Allgemeinen nichts mit seinem Namen anfangen. Das ist schade, denn immerhin gilt der Mönch als Gründer Kaliforniens. Zumindest hat er dort neben Carmel etliche  Missionsstationen gegründet, aus denen sich Städte entwickelt haben, und die kennen wir alle:  San Francisco, Los Angeles,  San Diego und Sacramento sind die bekanntesten.

Wie aber ist er von Mallorca nach Amerika gekommen? Als er sechzehn war, übergaben seine bitterarmen Eltern den Jungen an die Franziskaner. Die hatten ihm, der aufgeweckt und intelligent war, in Petra schon mal Lesen und Schreiben beigebracht, damals ein ziemliches Privileg für einen Bauernburschen. Nun wurde er an das Franziskanerkloster in Palma versetzt (das sehen Sie übrigens auf unserer Altstadttour 1 ), er studierte an der Universität Lluliana in Palma Theologie, wurde zum Priester geweiht und  Professor der Philosophie. Als scharfer Denker und begnadeter Rhetoriker machte er sich dort bald einen Namen.

1748 segelte er zunächst nach Cadiz und von dort weiter nach Veracruz in Nueva España, dem heutigen Mexico. Dort gründeten die Franziskaner unter seiner Leitung fünf Klöster und arbeiteten sich im Laufe der folgenden Jahre bis ins heutige Kalifornien vor, wo sie 21 weitere Missionsstationen gründeten. Die USA würdigten seine Gründertätigkeit und stellten seine Büste, als einzige eines Nicht-US-Amerikaners,  im Capitol in Washington auf. Sehr zum Missfallen der indianischen Urbevölkerung, aus der auch heftig gegen die 1988 durch Papst Johannes Paul II erfolgte Seligsprechung Serras protestiert wurde.

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Unter den Indianern hatte Serra nämlich ein ziemliches Schreckensregiment errichtet. Sie wurden gezwungen, ihre bisherige, ausgewogene Lebensweise als Jäger und Sammler aufzugeben, mussten sesshaft werden, auf engen Raum in von Palisaden umzäunten Wehrdörfern leben, in denen sich Infektionskrankheiten schnell verbreiteten. Dadurch dezimierte sich die indigene Bevölkerung, die um 1820, also nur 36 Jahre nach Serras Tod fast völlig kollabiert war. Die Spanier behandelten die Indianer wie unmündige Kinder, körperliche Züchtigungen waren an der Tagesordnung. Zur dunklen Seite von Junipero Serras Wirken gehörten passender Weise dann auch seine Tätigkeit als Inquisitor und Hexenjäger. Päderast war er aber vermutlich nicht, obwohl manche Betrachter seiner Statuen, auf denen er meist neben einem Indianerjungen dargestellt wird, dies süffisant vermuten. Wenn man Bilder aus der spanischen Missionierung der Amerikas sieht, stellt man allerdings fest, dass dort die Indianer meist halb so gross wie ihre spanischen Missionare und Konquistadoren dargestellt werden – unmündige Kinder halt, so hat man sie gesehen,  so hat man sie be- und eben auch  misshandelt.

Ein Rätsel aber bleibt, und ich habe bisher nirgends auch nur den kleinsten Hinweis zur Lösung gefunden. Vielleicht weiss ja die geneigte Leserin mehr und kann mir auf die Sprünge helfen: Juniper Serra wurde vor dreihundert Jahren auf den katalanischen Namen Miquel Josep Serra i Ferrer getauft. Als er Mönch wurde, nahm er den Vornamen Juniper(o) an. Das ist an sich nichts Besonderes, denn oft nehmen ja Nonnen und Mönche die Namen irgendwelcher Heiliger an. Junipero ist aber kein Heiliger, sondern heisst im Spanischen ‚Wachholder‘ oder schlimmer noch, in einer weiteren Bedeutung ‚Trottel‘.

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Frohes Fest – mit oder ohne ‚Caganer‘!

22 Dez

Während wir in Deutschland ja gerade zu Weihnachten  grossen Wert auf  „Besinnlichkeit“ legen, übrigens ein so typisch deutsches Wort, dass man es in keine mir bekannte Sprache eins zu eins übersetzen kann, geht es in Spanien also offenbar etwas handfester zu. Und in Katalonien richtig derb. Dieser Caganer ist die Krippenfigur, die  Kinder hier  zuallererst suchen, wenn die Krippe aufgebaut ist.

Weil die Stadtverwaltung von Barcelona 2009 strenge Vorschriften bzgl. der Verunreinigung öffentlichen Raumes erlassen hatte, wurde das ‚Scheisserle‘ als schlechtes Vorbild konsequenter Weise aus öffentlichen Krippen verbannt, was zu einem Entrüstungssturm, ja fast zur Revolution und in der Folge zur Rücknahme dieser Bürokraten-Verordnung führte.

Auch auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt an der Plaza Mayor in Palma habe ich diese Burschen bei ihrer schändlichen Krippentätigkeit erwischt, erst von vorne…

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…und dann auch noch von hinten.

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In unserem deutschen Sinne also wahrlich nicht sehr besinnlich. Und das, obwohl man ja auch bei uns behauptet, dass einem  die besten Ideen häufig(!) auf dem Klo kommen…

Die Sitte, den Caganer irgendwo in gebührender Entfernung zum Christkind zu platzieren, geht bis ins 17. Jhdt. zurück1280px-Spain.Barcelona.Pessebre.2006.03 und wird von Ethnologen als Fruchtbarkeitsbrauch interpretiert. Die winterliche Erde wird gedüngt, damit es im Herbst wieder eine gute Ernte gibt.  Im bäuerlichen Katalonien kein unwichtiges Anliegen.

Düngung aber auch im direkten Bezug  auf die Weihnachtskrippe. Die hiesigen Krippen sind oft sehr gross und werden mit natürlichen Materialien wie Thymian, Rosmarin (s.o.),  Holz,  Gras und Moos gestaltet. Der Caganer sorgt also ebenfalls  dafür,  dass die entsprechenden Rohstoffe auch im nächsten Jahr ausreichend vorhanden sein werden und man auch dann wieder eine schöne Weihnachtskrippe hat.

Die Kirche war vermutlich von diesem Volksbrauch weniger begeistert, hat aber gute Miene zu bösem Spiel gemacht.  If  you can’t beat them – join them! Und deshalb geht es heute selbst dem Papst an den – nun ja, Kragen ist hier wohl nicht das passende Wort:caganer-Papa-Benet-XVI

Promis sind auch ausservatikanisch inzwischen der Krippenrenner. Von Frau Merkel bis zu Herrn Obama – alle kann man inzwischen auch online als Caganers erwerben. Denn alle müssen sie mal. Womit wir sozusagen auf  der schon etwas metaphysischen Interpretationsebene angelangt sind. Ob arm oder reich, schwach oder mächtig, alle müssen regelmässig dahin, wo selbst der Kaiser zu Fuss hingeht, wie meine Oma ganz in diesem Sinne zu sagen pflegte. Und das wiederum passt eigentlich ziemlich gut zur Weihnachtsbotschaft.

Wem das nun wieder zu besinnlich ist, der sei mit folgenden katalanisch derben Wünschen in die Weihnachtszeit und ins neue Jahr verabschiedet: „Menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!“ (‚Iss gut, scheiß‘  kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!‘). In diesem Sinne ein frohes, aber auch fröhliches Fest!

PS. Bei unserem Quiz gab es übrigens auch einen Gewinner. Mit mallorquinischem Heimvorteil. Wir gratulieren Herrn Boris Z. aus C.!

Weltkulturerbe Ballermann?

15 Sep

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Wohl eher nicht. Aber nur zehn Auto-Minuten vom Ballermann beginnt der Aufstieg ins Tramuntana-Gebirge. Und das wurde in der Tat im Juni 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Weshalb Mallorca jetzt offiziell über ein höheres Kulturlevel als  z.B.  Dresden verfügt.

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Aber zurück ins Tramuntana-Gebirge. Das ist die geologische Fortsetzung der Sierra Nevada, und die wiederum ist das spanische Ski-Revier. Weshalb es übrigens im Winter auch auf Mallorca regelmässig schneebedeckte Berge zu bestaunen gibt. Die Sierra Nevada ist Teil der „Betischen Kordillere“.  Die versinkt irgendwo zwischen Alicante und Almeria im Mittelmeer und kommt im Südwesten Mallorcas bei der vorgelagerten Insel Sa Dragonera wieder zum Vorschein; zieht sich als Tramuntana-Gebirge über die gesamte Nordwestflanke der Insel, nur um dann am Kap Formentor, der nördlichen Spitze Mallorcas, endgültig in den mediterranen Fluten zu verschwinden. Desweiteren schützt es die Inselbewohner im Winter vor den rauen Nordwestwinden und sorgt für ein wesentlich milderes Klima als auf den benachbarten, kleineren Balearen.

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Also ein nicht nur schönes sondern auch sehr nützliches Gebirge. Aber wieso Weltkulturerbe? Hätte nicht Weltnaturerbe gereicht? Hätte in diesem Fall nicht, denn es geht der UNESCO um die Bearbeitung durch den Menschen, also die Kultivierung dieser Naturlandschaft. Und um den ‚interkulturellen Austausch zwischen arabischer Bewässerungs- und Terassentechnik und späterer, christlich-katalanischer Landwirtschaft und Territorialverwaltung‘ – whatever that means.                              Multikulti im Gebirge sozusagen.

Der wirklich erwähnenswerte christlich-katalanische  Beitrag ist aber eher die Technik gewesen im Winter Schnee zu sammeln, den in tief gelegene Höhlen zu pressen, um ihn dann im Sommer als Eis zur Kühlung von Lebensmitteln und Getränken an den königlichen Hof zu liefern.  Das war ja nun wirklich mal eine Innovation.

Heute ist dieses früher königliche Privileg auch dem gemeinen Mallorquiner zugänglich: An jeder Tankstelle, in jedem Supermarkt kann man für kleines Geld grosse Beutel mit Eiswürfeln erstehen. Die werden zwar nicht mehr aus gepresstem Schnee gewonnen, kommen aber immer noch aus dem Tramuntana-Gebirge, dessen zwei Regenwasser-Stauseen 80% der mallorquinischen Trinkwasserversorgung abdecken. Ein kleiner Teil dieser Eiswürfel landet dann am Ballermann, wo er eine nicht unwesentliche Zutat in den neulich schon mal erwähnten, blauen Sangria-Eimern bildet. Womit nunmehr endgültig klar sein dürfte, dass der Ballermann an sich und als solcher zwar kein Weltkulturerbe ist, es aber ohne dieses Weltkulturerbe keinen Ballermann gäbe!

Willi Kramme

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Versprengte Eseleien

26 Aug

Michael Spreng war früher mal Chef der BILD am Sonntag,  später Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber und ist heute häufiger Gast in den üblich verdächtigen, öffentlich rechtlichen Talk-Shows. Wenn er nicht gerade sein ziemlich langes Gestell den dortigen Sitzgelegenheiten anzupassen versucht, um anschliessend  mit klaren Worten zuvor vernebelte  Zusammenhänge auf  den Punkt zu bringen, gehen er und seine Gattin gern mal mit dem Hund spazieren. Und zwar auf dem Damm, der das mallorquinische Fischerdörfchen Es Molinar – heute gentrifizierter Teil eines Stadtteils der Inselhauptstadt Palma – vom blauen Mittelmeer trennt.  Dort führt auch der auf unseren Touren frequentierte Radweg lang;  daher weiss ich das nämlich.

Ob aber auch die Sprengs  gelegentlich Rad fahren, das weiss ich leider nicht, weshalb das bisher Geschriebene ein ‚Geschmäckle‘  unlauterer Eigenwerbung mit einem ‚Promi‘ hat. Damit befinde ich mich aber wiederum in ziemlich guter Gesellschaft: Es gibt nämlich  ein wunderschönes, immer noch verlegtes Kinderbuch aus dem Jahre 1955 „Das Eselchen Grisella“. Das spielt auf der italienischen Insel Elba, wohin bekanntlich auch Napoleon erstverbannt war. Gleich am Anfang der Geschichte lernt man einen Wirt kennen, der ein Restaurant im Inselhauptstädtchen Porto Ferraio besitzt. Und da hat er eine Werbetafel angebracht, auf  der zu lesen steht „Hier hat Napoleon nie gegessen.“

Womit ich wieder bei unlauteren Promi-Werbung und Michael Spreng wäre. Wo und was der isst, weiss ich nämlich auch nicht, ausser dass Brötchen dabei sind, die er ab und zu im deutschen Supermarkt an der Playa de Palma einkauft. Was er hingegen denkt, ist sehr wohl bekannt, wenngleich inzwischen  nicht mehr aus BILD  sondern aus seinem Blog ‚Sprengsatz‘. Und den finden Sie ab sofort rechts, eingebettet in unserem Seitenstreifen. Betreten auf  eigene  Gefahr – Eltern haften für ihre Kinder.

Was das Ganze mit Fahrradfahren zu tun hat, dürfen Sie mich aber nicht fragen. Im Zweifelsfall gilt  ‚Mens sana in corpore sano‘.

Willi Kramme

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