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Weltkulturerbe Ballermann?

15 Sep

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Wohl eher nicht. Aber nur zehn Auto-Minuten vom Ballermann beginnt der Aufstieg ins Tramuntana-Gebirge. Und das wurde in der Tat im Juni 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Weshalb Mallorca jetzt offiziell über ein höheres Kulturlevel als  z.B.  Dresden verfügt.

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Aber zurück ins Tramuntana-Gebirge. Das ist die geologische Fortsetzung der Sierra Nevada, und die wiederum ist das spanische Ski-Revier. Weshalb es übrigens im Winter auch auf Mallorca regelmässig schneebedeckte Berge zu bestaunen gibt. Die Sierra Nevada ist Teil der „Betischen Kordillere“.  Die versinkt irgendwo zwischen Alicante und Almeria im Mittelmeer und kommt im Südwesten Mallorcas bei der vorgelagerten Insel Sa Dragonera wieder zum Vorschein; zieht sich als Tramuntana-Gebirge über die gesamte Nordwestflanke der Insel, nur um dann am Kap Formentor, der nördlichen Spitze Mallorcas, endgültig in den mediterranen Fluten zu verschwinden. Desweiteren schützt es die Inselbewohner im Winter vor den rauen Nordwestwinden und sorgt für ein wesentlich milderes Klima als auf den benachbarten, kleineren Balearen.

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Also ein nicht nur schönes sondern auch sehr nützliches Gebirge. Aber wieso Weltkulturerbe? Hätte nicht Weltnaturerbe gereicht? Hätte in diesem Fall nicht, denn es geht der UNESCO um die Bearbeitung durch den Menschen, also die Kultivierung dieser Naturlandschaft. Und um den ‚interkulturellen Austausch zwischen arabischer Bewässerungs- und Terassentechnik und späterer, christlich-katalanischer Landwirtschaft und Territorialverwaltung‘ – whatever that means.                              Multikulti im Gebirge sozusagen.

Der wirklich erwähnenswerte christlich-katalanische  Beitrag ist aber eher die Technik gewesen im Winter Schnee zu sammeln, den in tief gelegene Höhlen zu pressen, um ihn dann im Sommer als Eis zur Kühlung von Lebensmitteln und Getränken an den königlichen Hof zu liefern.  Das war ja nun wirklich mal eine Innovation.

Heute ist dieses früher königliche Privileg auch dem gemeinen Mallorquiner zugänglich: An jeder Tankstelle, in jedem Supermarkt kann man für kleines Geld grosse Beutel mit Eiswürfeln erstehen. Die werden zwar nicht mehr aus gepresstem Schnee gewonnen, kommen aber immer noch aus dem Tramuntana-Gebirge, dessen zwei Regenwasser-Stauseen 80% der mallorquinischen Trinkwasserversorgung abdecken. Ein kleiner Teil dieser Eiswürfel landet dann am Ballermann, wo er eine nicht unwesentliche Zutat in den neulich schon mal erwähnten, blauen Sangria-Eimern bildet. Womit nunmehr endgültig klar sein dürfte, dass der Ballermann an sich und als solcher zwar kein Weltkulturerbe ist, es aber ohne dieses Weltkulturerbe keinen Ballermann gäbe!

Willi Kramme

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Wir faulen Südländer

9 Sep

Ich arbeite selbstständig, was nach einem geflügelten Wort bedeutet, dass ich selbst und ständig arbeite. Also auch jetzt, am Sonntagmorgen, während meine potentiellen Kunden, die deutschen Urlauber an der Playa de Palma das Hotelfrühstück verzehrt haben und sich mit bereits aufgeblasenen Luftmatratzen, Sonnenschirmen und blauen Sangria-Eimern sperrig bepackt der allmorgendlichen Touri-Karawane anschliessen, die sich von den Hotels in Richtung Strand wälzt.  Zugegeben – so einen Blog zu schreiben ist keine wirklich harte Arbeit und eigentlich mache ich das auch nur, um den Zeitpunkt noch ein bisschen hinauszuzögern, wo ich mir Besen, Wischmopp und Eimer greifen muss, um an meinem freien Tag zu Hause Klar Schiff zu machen.

Allerdings arbeiten auch spanische Bauarbeiter, wenn sie denn noch Arbeit haben, mindestens den halben Samstag, und mein Nachbar José, der neben unserer Radstation einen Souvenirladen betreibt, tut das sieben Tage die Woche von 9:00 bis 21:00. Nur in den brütendheissen Monaten Juli und August gönnt er sich zwischen 14:00 und 16:00 eine kleine Siesta, weil dann eh keine Touristen vorbeikommen.

Apropos Siesta, auch so ein nordlichterndes Vorurteil. Die ist in vielen Geschäften und bei den meisten Bürojobs schon lange auf eine knappe Stunde reduziert worden, die beispielsweise von den KassiererInnen und Einräumern der spanischen Supermarktkette Mercadona romantisch zwischen parkenden Kundenautos auf der Bordsteinkante sitzend mit Pausenbrot und Coca Cola Zero verbracht wird. Pausenräume für die MitarbeiterInnen gibt es aus Kostengründen nämlich nicht.

Das Verschwinden der Siesta hat allerdings  weniger mit den EU-Sparauflagen zu tun, als mit dem Siegeszug der Klimaanlagen, durch die nicht nur die Besiedelung Floridas, sondern – etwas zeitversetzt – eben auch das Arbeiten in Spanien während der Mittagshitze möglich wurde.

Viel mit der EU zu tun  hat allerdings die am 1.September in Kraft getretene Erhöhung der Mehrwertsteuer von bisher 18% auf jetzt 21%.

Ich vermarkte meine Touren nämlich nicht nur über diese Website sondern auch mit Hilfe der an der Playa de Palma präsenten deutschen Reiseveranstalter. Da wir mitten in der Sommersaison nicht die Preise erhöhen wollten, tragen wir also bis Saisonende die Steuererhöhung gemeinsam. Das macht bei mir knapp €100 im Monat aus, die mir jetzt im Portemonnaie fehlen. Ich will aber gar nicht klagen. Das überlasse ich den spanischen Arbeitslosen, die inzwischen – zwangsgeräumt –  wieder bei ihren Eltern, bzw. häufig sogar mit ihren ebenfalls arbeitslosen  Eltern bei den pensionierten Grosseltern wohnen. Und von Hartz IV nur träumen können, siehe hier: Arbeitslosenhilfe in Spanien

Aber was tut man patriotischerweise nicht alles um die darbenden Banken zu retten. Schliesslich gilt auch in Spanien:

Ist die Bank gesund, freut sich der Mensch!Spanische Bank. Abb. ähnlich

 

Willi Kramme

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