Der kleine Sommer

9 Jan

Oder auch ‚Pequeño Verano‘. So heisst die derzeitige Wetterlage auf  Spanisch. Katalanen und Mallorquiner reden vom ‚Petit Estiu‘ und gemeint ist beidemal diese schöne, stille und sonnige Wetterlage, eben der kleine Sommer, den man hierzulande zwischen Weihnachten und Mitte Januar geniessen kann. Morgens ist es noch sehr frisch. Heute waren es gerade mal 2°C auf meiner Terasse, aber spätestens gegen Mittag kann ich da im T-Shirt sitzen und mich bei bis zu 30°C (in der Sonne!) grillen lassen. Und am Abend sieht es dort manchmal so aus:

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Wie der Name schon sagt, ist es aber nur ein kleiner Sommer. Nächste Woche soll es Regen geben. Die Temperaturen werden – moderat – absinken und es kann auch wieder windig werden. Aus und vorbei mit „Las Calmas de Enero“, wie diese Wetterlage auch noch heisst – die Windstille im Januar.

Vereinzelt sieht man jetzt schon die ersten blühenden Mandelbäume. Damit die Mandelblüte aber so richtig loslegen kann, brauchen die Bäume noch einen kleinen Kälteschock. Das Wetter scheint also zu wissen, was es tut und was gut für unsere kleine Insel ist.

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Im Bild ein Mandelzweig vor einem Olivenbaum. Das Faszinierende an der Mandelblüte ist ihr Anfang. Man radelt oder wandert durch einen Mandelhain. Alle Bäume sind noch kahl. Alle? Nee – doch nicht alle. Auf einem hat es geschneit. So sieht das nämlich aus. Der Baum, noch blattlos und kahl, treibt plötzlich weisse bis rosafarbene Blüten. Kein Grün, nur dunkles Holz und viel Weiss. Ein paar Tage später sind dann schon alle Bäume in der Umgebung weiss, und so ab Mitte Februar kommt noch das helle Grün frisch spriessender Blättchen hinzu. Eine  Augenweide!

Für alle Pantoffelhelden jetzt das Motto für 2013

31 Dez

Sylvester 2012 010a

Augen zu und durch!

Wenn das auch nicht hilft – Abwarten und Tee trinken…

Und in eben diesem Sinne: Happy New Year!

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2012 in review

31 Dez

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Hier ist ein Auszug:

600 Personen haben 2012 den Gipfel des Mount Everest erreicht. Dieser Blog hat 2012 über 3.600 Aufrufe bekommen. Hätte jede Person, die den Gipfel des Mount Everest erreicht hat, diesen Blog aufgerufen, würde es 6 Jahre dauern, um so viele Aufrufe zu erhalten.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Stadtrad wünscht nochmals fröhliche Weihnachten und ganz viele Geschenke!

24 Dez

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Frohes Fest – mit oder ohne ‚Caganer‘!

22 Dez

Während wir in Deutschland ja gerade zu Weihnachten  grossen Wert auf  „Besinnlichkeit“ legen, übrigens ein so typisch deutsches Wort, dass man es in keine mir bekannte Sprache eins zu eins übersetzen kann, geht es in Spanien also offenbar etwas handfester zu. Und in Katalonien richtig derb. Dieser Caganer ist die Krippenfigur, die  Kinder hier  zuallererst suchen, wenn die Krippe aufgebaut ist.

Weil die Stadtverwaltung von Barcelona 2009 strenge Vorschriften bzgl. der Verunreinigung öffentlichen Raumes erlassen hatte, wurde das ‚Scheisserle‘ als schlechtes Vorbild konsequenter Weise aus öffentlichen Krippen verbannt, was zu einem Entrüstungssturm, ja fast zur Revolution und in der Folge zur Rücknahme dieser Bürokraten-Verordnung führte.

Auch auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt an der Plaza Mayor in Palma habe ich diese Burschen bei ihrer schändlichen Krippentätigkeit erwischt, erst von vorne…

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…und dann auch noch von hinten.

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In unserem deutschen Sinne also wahrlich nicht sehr besinnlich. Und das, obwohl man ja auch bei uns behauptet, dass einem  die besten Ideen häufig(!) auf dem Klo kommen…

Die Sitte, den Caganer irgendwo in gebührender Entfernung zum Christkind zu platzieren, geht bis ins 17. Jhdt. zurück1280px-Spain.Barcelona.Pessebre.2006.03 und wird von Ethnologen als Fruchtbarkeitsbrauch interpretiert. Die winterliche Erde wird gedüngt, damit es im Herbst wieder eine gute Ernte gibt.  Im bäuerlichen Katalonien kein unwichtiges Anliegen.

Düngung aber auch im direkten Bezug  auf die Weihnachtskrippe. Die hiesigen Krippen sind oft sehr gross und werden mit natürlichen Materialien wie Thymian, Rosmarin (s.o.),  Holz,  Gras und Moos gestaltet. Der Caganer sorgt also ebenfalls  dafür,  dass die entsprechenden Rohstoffe auch im nächsten Jahr ausreichend vorhanden sein werden und man auch dann wieder eine schöne Weihnachtskrippe hat.

Die Kirche war vermutlich von diesem Volksbrauch weniger begeistert, hat aber gute Miene zu bösem Spiel gemacht.  If  you can’t beat them – join them! Und deshalb geht es heute selbst dem Papst an den – nun ja, Kragen ist hier wohl nicht das passende Wort:caganer-Papa-Benet-XVI

Promis sind auch ausservatikanisch inzwischen der Krippenrenner. Von Frau Merkel bis zu Herrn Obama – alle kann man inzwischen auch online als Caganers erwerben. Denn alle müssen sie mal. Womit wir sozusagen auf  der schon etwas metaphysischen Interpretationsebene angelangt sind. Ob arm oder reich, schwach oder mächtig, alle müssen regelmässig dahin, wo selbst der Kaiser zu Fuss hingeht, wie meine Oma ganz in diesem Sinne zu sagen pflegte. Und das wiederum passt eigentlich ziemlich gut zur Weihnachtsbotschaft.

Wem das nun wieder zu besinnlich ist, der sei mit folgenden katalanisch derben Wünschen in die Weihnachtszeit und ins neue Jahr verabschiedet: „Menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!“ (‚Iss gut, scheiß‘  kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!‘). In diesem Sinne ein frohes, aber auch fröhliches Fest!

PS. Bei unserem Quiz gab es übrigens auch einen Gewinner. Mit mallorquinischem Heimvorteil. Wir gratulieren Herrn Boris Z. aus C.!

Willis wunderbares Weihnachtsquiz – Die Aufösung

18 Dez

Wir schauen uns nochmal Krippe 4 an:

Krippe 4

Vorne rechts hockt eine Figur mit rotem Hemd. Bei genauer Betrachtung hockt sie da schon irgendwie seltsam. Wenn wir sie jetzt umdrehen, passiert folgendes:

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Das ist keine Blasphemie sondern ein ‚Caganer‚. So heisst dieser Lümmel nämlich auf Katalanisch; ein Scheisserle würde man bei uns sagen.

Was der in vielen katalanischen Krippen zu suchen hat und was die katholische Kirche zu dieser Sitte aus dem 17. Jhdt. sagt, darüber mehr in den nächsten Tagen. Dann gibt’s auch ein paar besonders schöne Beispiele.

Jetzt aber erst- und nochmal das zweite Krippenbild, auf dem der Caganer zu sehen ist. Inzwischen dürfte der ja etwas leichter zu finden sein, und wenn man das Bild doppelklickt, wird es  auch noch ein kleines bisschen grösser.

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Vorhang auf

11 Dez

Zu Willis wunderbarem Weihnachtsquiz!

Wie vorgestern schon angedeutet, geht es um spanische Weihnachtskrippen und um die dort anzutreffenden Figuren.

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Die erste bekannte Weihnachtskrippe wurde übrigens im 13. Jhdt.  in Italien aufgestellt. Und zwar – man höre und staune – vom Hl. Franziskus von Asisi höchstselbst. Der Brauch verbreitete sich zunächst in Italien, wo besonders die napolitanischen Krippen bald zu grossem Ruhm gelangten. Von dort brachte sie im 17.Jhdt.  Carlos III  (nach dem auch der bekannte Brandy benannt ist) nach Spanien. Der war nämlich ursprünglich als Carlos VII König von Neapel und Sizilien. Und hatte, als er dann nach Madrid kam, auch die Weihnachtskrippe im Gepäck.

Heute findet man überall in Spanien Krippen auf  öffentlichen Plätzen, in Kirchen, Klöstern und Rathäusern. Dieses Jahr gibt es – zumindest in Palma – weniger und kleinere Krippen als in der jüngeren Vergangenheit. Die Krise macht offenbar auch davor nicht Halt.

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Typisch für die Krippen sind lokale Einflüsse. Bauern in den Trachten der Umgebung beim Schweine Schlachten, sich drehende Windmühlen, kleine Seen, auf denen traditionelle Fischerboote (Llauts) dümpeln. Und eben auch diese  seltsame Krippenfigur, die wir hier suchen.  Die kommt allerdings nicht überall in Spanien zum Einsatz, sondern nur in Katalonien,  Valencia,  Murcia,  Aragon, auf  den Balearen und auf  einigen Kanaren.

8244708964_883d1cab40_b.jpg2Krippe 3

Und jetzt kommt die Quizfrage:  Es gibt hier vier nummerierte Krippenbilder. Auf  zweien ist die gesuchte Figur zu sehen, auf den beiden anderen fehlt sie. Es handelt sich nicht um eine der typischen Figuren – also weder Hirte,  Ochs,  Esel oder Christkind. Letzteres kommt – logisch-  sowieso erst am 24.12. in die Krippe. Die gesuchte Figur kommt auch nicht in der Bibel vor. Auf welchen beiden Bildern ist sie zu sehen? Und wo da?

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Natürlich gibt es auch tolle Preise zu gewinnen! 

Aber nur für den ersten Einsender mit der richtigen Antwort. Der kann nämlich wählen: entweder eine Gratis-Stadtrad-Tour nach Palma oder  ein Gratisrad für eine Woche beim nächsten Aufenthalt an der Playa de Palma oder die Ehrendoktorwürde der Julio-Iglesias-Privatuniversität in  Can Pastilla.

Antworten über die Kontaktseite oder die Kommentarfunktion weiter unten, und los geht es. Auflösung nächste Woche.

Demnächst in diesem Theater

9 Dez

Schon der 2. Advent. Und falls die Welt kurzfristig nicht doch noch untergeht, bewegen wir uns unaufhaltsam auf Weihnachten zu.

Zeit, besinnlich einen Punsch zu trinken und sich mit etwas abseits vom Alltag gelegenen Themen zu beschäftigen. Z.B. Krippenfiguren. Was nämlich dem Deutschen sein Baum, ist dem Spanier seine Krippe. Und da gibt es eine ganz besondere Figur, mit der keines von uns Nordlichtern jemals rechnen würde.

Andere mögen das Rad erfunden haben, aber Spanien hat die seltsamste Krippenfigur aller Zeiten. Mehr davon demnächst in diesem Theater, aber auf jeden Fall rechtzeitig zum Fest!

Mallorca, Marathon und Marketing

21 Okt

Heute ist es mal wieder soweit. In wenigen Minuten werde ich von meiner Dachterrasse in Can Pastilla auf viele sehnige, oft schon etwas ältere Menschen hinabblicken können, die etwa 90 Minuten lang an unserem Haus vorbei traben werden. Der vorletzte Sonntag im Oktober steht in Palma nämlich schon seit Jahren ganz im Zeichen des TUI-Marathons.

Eine Woche später wird dann die Zeit umgestellt und ein Grossteil der Hotels für den nun anstehenden touristischen Winterschlaf eingemottet. Heute jedoch bäumt sich die herbstliche Natur noch einmal auf, und mit ihr ein paar Tausend LäuferInnen, die sich quer durch die Altstadt und dann, von heftigen Sturmböen gepeitscht, gerüttelt und geschüttelt, mal geschoben mal gebremst, die 42 Kilometer an ganz wunderbarer Meer-, Stadt-  und Landschaft entlang mühen. Die Streckenführung entspricht im Wesentlichen unserer Tour1 ,und da es die schon vor dem ersten Palma-Marathon gab, kann ich mich in aller Bescheidenheit als einen der Gründerväter dieses sportlichen Ereignisses betrachten.

Ebenso wie für unsere Volkswirtschaft im Allgemeinen ist allerdings auch für den Palma-Marathon im Besonderen stetiges Wachstum offenbar unabdingbar.  Da die Streckenlänge auf historischen Vorgaben, nämlich dem Weg von Marathon bis Athen beruht, ist Wachstum in Form von Verlängerung hier leider nicht mehr möglich.

Der erste Marathonläufer, ein gewisser Pheidippidis, brach unmittelbar nach dem Lauf  mit den Worten „Wir haben gesiegt!“ tot zusammen.  Auch hier scheint  eine Steigerung wenig wünschenswert.

Was tun, sprach Zeus – Wie Woll’n Wir Weiter Wachsen? Zum Glück gibt es heute, anders als bei den alten Griechen, das  Marketing. Und das hat das ursprünglich eintägige Event inzwischen auf immerhin schon drei Tage ausdehnen können. Es kamen zunächst ein  Halbmarathon und der 10km-Lauf noch am selben Sonntag hinzu.

Anschliessend der ‚Kids Run‘ am Samstag davor. „Kinder des Nordens laufen für Kinder des Südens“ zugunsten eines UNICEF-Projektes im Niger. Nach dem bewährten Marketing Motto „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“   ( goethe & friends /consultants, frankfurt + weimar).

Und jetzt also auch noch der Freitag. Da gibt es nämlich, in diesem Jahr zum ersten Mal, einen ‚Nordic Walking‘ – Lauf. Das ist dieses Wandern mit Skistöcken. Scheinbar nicht ganz ungefährlich, da die meisten TeilnehmerInnen des 10km-Walks diesen in leuchtend roten, gelben oder grünen Sicherheitswesten absolviert haben. Auch deren schon seit Jahren kontinuierlich zunehmende und weltweite Verbreitung ist übrigens recht beindruckendes  Marketing.

Doch zurück zu ‚Nordic Walking‘ als eigenständiger Sportart.  Vermutlich auch wieder von einer Marketingabteilung entwickelt,  möglicherweise in Skandinavien. Wahrscheinlich in einer Skistock-Fabrik auf der Suche nach Absatzmärkten auch im Sommer, um die Produktion ganzjährig am Laufen zu halten. Ökonomisch sehr sinnvoll, wenn nicht sogar genial. Sportlich vom ‚Iron Man‘ eher etwas abschätzig belächelt, aber immerhin – die Leute kommen an die frische Luft und bewegen sich. Sogar über einen längeren Zeitraum.

Insofern gesundheitlich allemale empfehlenswerter als jene andere Marketing-Idee vor ein paar Jahren, als plötzlich ganz viele Zeitgenossen auf diesen beknackten, kleinen, silbernen Metallrollern durch Fussgängerzonen, Bürogebäude und Abflughallen rollerten, um sich kurz darauf vom Orthopäden ihres Vertrauens den Hexenschuss wegspritzen zu lassen.

Wie aber kann der Palma-Marathon dann in Zukunft noch weiter wachsen? Ganz einfach, my dear marketeers  –  nehmt halt auch noch den Donnerstag hinzu! Und da macht Ihr dann „Stand-Up-Surfing“, auch als „Paddle-Surfing“ bekannt.

Das ist die neue Trendsportart für alle, denen Kite-Surfing und Bungee-Jumping zu aufregend ist. Man steht auf einem ziemlich breiten Surfbrett und bewegt sich mittels eines mal links, mal rechts eingetauchten Paddels vorwärts. Venezianischer Gondel-Stil. Und wie ein Mitradler neulich sehr treffend bemerkte: „Sieht aus wie Nordic Walking auf dem Wasser!“

Willi Kramme

Schwarz-Weiss Malerei

17 Sep

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Bilder von Nanda

Mehr davon gibt es hier als Slide Show 

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