Der Ballermann, das Blasorchester und die Gelbe Gefahr

24 Jul

Am Ballermann darf nicht mehr geballert werden. Jedenfalls nicht aus Eimern. Und nicht am Strand. Dort ist das „Eimersaufen“ inzwischen nämlich verboten. Anfangs schickte man noch Trupps von Lokalpolizisten in Begleitung von Dolmetschern zwecks Aufklärung der darob etwas ratlosen Kegelbrüder und Fussballfreunde an den notorischen Strandabschnitt. Inzwischen aber wird scharf geschossen. Wer beim Eimersaufen am Strand erwischt wird und keinen Personalausweis dabei hat – also alle – wird von der Polizei ins Hotel begleitet, wo die Personalien aufgenommen und eine ‚Multa‘ (Ordnungsgeld) von schlappen  € 200 pro Nase kassiert wird.

Der für den angestrebten „Qualitätstourismus“ an der Playa de Palma beabsichtigte Komplettumbau der Playa ist zwar mangels finanzieller Masse auf den Sanktnimmerleinstag verschoben worden, offenbar hat sich aber die Stadtverwaltung  hier auf der untersten Ebene eine neue, sprudelnde Einnahmequelle erschlossen. Und da auch hierzulande die Politiker meist gar nicht, geschweige denn etwas weiter denken, bleibt das voraussehbare Gejammer im nächsten Jahr und nach den Kommunalwahlen abzuwarten. Leidtragende sind dann Kellner, Bratwurstbrater, Einzelhändler und Hotelpersonal. Denn Saufen kann man auch in Bulgarien, und es ist nicht anzunehmen, dass trinkfreudige Vereinsmeier künftig eins zu eins durch karierte Golfhosen und Rolex tragende „Qualitätstouristen“ ersetzt werden.

Während also an der Playa Ruhe und Ordnung einkehren, ploppt der Deckel auf der anderen Seite von Palma, nämlich in Magaluf wieder hoch und der Topf schwappt über. Dort hausen britische Youngster und die saufen noch konsequenter als die Ballermänner – ‚Sex on the Beach‘ wird da nicht nur getrunken, sondern allabendlich zelebriert. Der diesjährige Trend an der ‚Punta Ballena‘ – das ist der britische Ballermann: Blowjobs gegen Freidrinks. Für alle des Englischen nicht Mächtigen – das ist das, was seinerzeit zwischen Monica Lewinsky und Bill Clinton ablief und von dem Clinton damals meinte, es habe nichts mit Sex zu tun.

Grosse Aufregung bis hinauf auf die Regierungsebene. Die britische Regierung ist empört und verlangt die Schliessung der beteiligten Lokale. Der Polizeichef von Calvia, das ist die sehr reiche Gemeinde, zu der auch Magaluf gehört, bemerkt hingegen süffisant, er und seine Leute seien schliesslich nicht für die unzureichende Erziehung britischer Kids verantwortlich. Womit er wohl Recht hat.

Ein Leser der ‚Ultima Hora‘ bringt es schliesslich auf den Punkt und schreibt, all das habe es in Punta Ballena immer schon gegeben und jeder in der Gegend wisse das auch. Das Neue sei, dass die Kids sich inzwischen permanent mit ihren Smartphones filmen und alle Schweinereien sofort auf Facebook posten. Ein zutreffender, wenngleich verblüffender Aspekt. Es gibt nix Neues unter der Sonne, aber jetzt wird’s gefilmt.

Wo aber bleibt die im Titel angekündigte Gelbe Gefahr? Kommt sofort: Immer mehr Chinesen machen mithilfe eines von der spanischen Regierung geförderten Schwarzgeldprogrammes hier Restaurants, „Happy Fish“-Läden (Fische knabbern an Touristenfüssen) und Ein-€uro-Ramsch-Läden auf. Und manche sagen sogar ganz offen worauf das Ganze hinausläuft:krSchamloser Supermarkt gegenüber dem Hotel Kontiki an der Playa de Palma

 

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3 Antworten to “Der Ballermann, das Blasorchester und die Gelbe Gefahr”

  1. Ingrid Asbrand 24. Juli 2014 um 22:00 #

    Na und dann sag mal einer was gegen das Sauerland – so wie der TAZ Fuzzi:)

  2. guillermoemmark 26. Juli 2014 um 21:24 #

    Liebe Lesende!
    Ich könnte auch liebe Leser, Liebe Leserinnen und Leser oder liebe LeserInnen schreiben, habe mich aber für die politisch sehr korrekte Partizipialform entschieden. Auf die bin ich gestossen, als ich anlässlich des Studiums meiner Tochter bemerkte, dass es in Deutschland keine Studenten mehr gibt, sondern nur noch Studierende. Ich liebe Partizipialkonstruktionen. Ganz besonders lateinische wie z.B. ’studens‘ (der oder die Lernende). Ist also sowieso schon ‚genderneutral‘, macht aber nichts, denn doppelt hält besser.
    Ich schweife ab. Also nochmal:

    Liebe Lesende,

    den nun folgenden Skype-Chat mit meinem alten Freund Gerd alias Rübezahl möchte ich Euch nicht vorenthalten:

    [20:19:42] Gerd F. : Verehrtester,
    [20:20:54] Willi Kramme: Ja…
    [20:33:29] Gerd F. : erneuten herzlichen Dank – wau, da kam gerade ein Anruf aus meinem bayerischen Heimatdorf, der den Schreibfluss unterbrochen hat. – für deinen herrlichen Bericht zur Playa. Ja, gesoffen wirdüberall, am preiswertesten jedoch wohl in Indien und dort in der alten portugiesischen Kolonie DIU, direkt neben Gujarat, wo das Saufen total verboten ist. Ich habe mir dort einen Trinkerausweis besorgen müssen! Übrigens ist der Name des chines. Supermarkts gar nicht so eindeutig, denn das Q spricht sich wie dsch und nicht wie k!! Lass uns mal wieder in Ruhe quatschen, jetzt bin ich etwas ausgelutscht, denn ich komme aus Bayreuth, wo ich 16 Stunden Generalproben gehört und viel gesoffen und getrunken habe. Von Uschi sage ich besser nichts!! Salut, Rübe
    [21:02:50] Willi Kramme: Uschi? Trinkerausweis ist natürlich genial. Das wäre auch hier eine formidable Idee. Die stets ganz weit geöffnete Öffentliche Hand könnte diese Ausweise für € 20 verhökern und sich gleichzeitig das Eimermonopol an der Playa sichern. Mit Ausweis und einem mit dem Stadtwappen versehenen Eimer dürfte man dann doch wieder am Strand saufen. Denkbar wäre natürlich auch eine ‚Trinkersteuer‘, die wie die weiland gescheiterte ‚Ökosteuer‘ von jedem Urlauber, der in ein Hotel an der Playa eincheckt, erhoben wird. Ich sehe da tolle ‚Refinanzierungsmöglichkeiten‘ für die klamme Stadtverwaltung. Ich glaube, ich werde mich als Stadtkämmerer bewerben ohne Gehalt, nur mit 5% Kommi der von mir neu generierten Einnahmen.

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