Archiv | Juli, 2014

Der Ballermann, das Blasorchester und die Gelbe Gefahr

24 Jul

Am Ballermann darf nicht mehr geballert werden. Jedenfalls nicht aus Eimern. Und nicht am Strand. Dort ist das „Eimersaufen“ inzwischen nämlich verboten. Anfangs schickte man noch Trupps von Lokalpolizisten in Begleitung von Dolmetschern zwecks Aufklärung der darob etwas ratlosen Kegelbrüder und Fussballfreunde an den notorischen Strandabschnitt. Inzwischen aber wird scharf geschossen. Wer beim Eimersaufen am Strand erwischt wird und keinen Personalausweis dabei hat – also alle – wird von der Polizei ins Hotel begleitet, wo die Personalien aufgenommen und eine ‚Multa‘ (Ordnungsgeld) von schlappen  € 200 pro Nase kassiert wird.

Der für den angestrebten „Qualitätstourismus“ an der Playa de Palma beabsichtigte Komplettumbau der Playa ist zwar mangels finanzieller Masse auf den Sanktnimmerleinstag verschoben worden, offenbar hat sich aber die Stadtverwaltung  hier auf der untersten Ebene eine neue, sprudelnde Einnahmequelle erschlossen. Und da auch hierzulande die Politiker meist gar nicht, geschweige denn etwas weiter denken, bleibt das voraussehbare Gejammer im nächsten Jahr und nach den Kommunalwahlen abzuwarten. Leidtragende sind dann Kellner, Bratwurstbrater, Einzelhändler und Hotelpersonal. Denn Saufen kann man auch in Bulgarien, und es ist nicht anzunehmen, dass trinkfreudige Vereinsmeier künftig eins zu eins durch karierte Golfhosen und Rolex tragende „Qualitätstouristen“ ersetzt werden.

Während also an der Playa Ruhe und Ordnung einkehren, ploppt der Deckel auf der anderen Seite von Palma, nämlich in Magaluf wieder hoch und der Topf schwappt über. Dort hausen britische Youngster und die saufen noch konsequenter als die Ballermänner – ‚Sex on the Beach‘ wird da nicht nur getrunken, sondern allabendlich zelebriert. Der diesjährige Trend an der ‚Punta Ballena‘ – das ist der britische Ballermann: Blowjobs gegen Freidrinks. Für alle des Englischen nicht Mächtigen – das ist das, was seinerzeit zwischen Monica Lewinsky und Bill Clinton ablief und von dem Clinton damals meinte, es habe nichts mit Sex zu tun.

Grosse Aufregung bis hinauf auf die Regierungsebene. Die britische Regierung ist empört und verlangt die Schliessung der beteiligten Lokale. Der Polizeichef von Calvia, das ist die sehr reiche Gemeinde, zu der auch Magaluf gehört, bemerkt hingegen süffisant, er und seine Leute seien schliesslich nicht für die unzureichende Erziehung britischer Kids verantwortlich. Womit er wohl Recht hat.

Ein Leser der ‚Ultima Hora‘ bringt es schliesslich auf den Punkt und schreibt, all das habe es in Punta Ballena immer schon gegeben und jeder in der Gegend wisse das auch. Das Neue sei, dass die Kids sich inzwischen permanent mit ihren Smartphones filmen und alle Schweinereien sofort auf Facebook posten. Ein zutreffender, wenngleich verblüffender Aspekt. Es gibt nix Neues unter der Sonne, aber jetzt wird’s gefilmt.

Wo aber bleibt die im Titel angekündigte Gelbe Gefahr? Kommt sofort: Immer mehr Chinesen machen mithilfe eines von der spanischen Regierung geförderten Schwarzgeldprogrammes hier Restaurants, „Happy Fish“-Läden (Fische knabbern an Touristenfüssen) und Ein-€uro-Ramsch-Läden auf. Und manche sagen sogar ganz offen worauf das Ganze hinausläuft:krSchamloser Supermarkt gegenüber dem Hotel Kontiki an der Playa de Palma

 

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