Der König und ich

17 Feb

Der König und ich waren damals, ich glaube es war 1988, noch jünger. Meine KollegInnen und ich waren als Chefreiseleiter eines etwas grösseren, deutschen Reiseveranstalters zu einer Audienz in den Zarzuela-Palast geladen. Der König war ziemlich locker, fluchte auch schon mal ein bisschen – Qué Coño – hatte leicht gerötete Augen und kam also recht sympathisch rüber. Ich mochte ihn sowieso, hatte er doch die noch junge, spanische Demokratie 1981 heldenhaft und ziemlich schlau vor einem Putsch gerettet.

dER kÖNIG UND ICHInzwischen ist der Lack ab. Beim König und leider auch bei mir. Es fliegt uns sozusagen alles um die Ohren. Dem König sogar noch mehr als mir.

Vor ein paar Jahren hatte er noch ordentlich gepunktet, als er dem notorisch dazwischen quatschenden, venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez auf einem Südamerikagipfel  „Warum hälst Du nicht die Klappe“ zurief. Worauf sich dieser – auch nicht schlecht und für seine Nehmerqualitäten sprechend – etwas später bei einem Besuch in Juan Carlos‘ Sommerresidenz in Palma mit T-Shirts revanchierte, auf denen genau das stand – „Porque no te callas“.chavezcamisetanota

Alles Schnee von gestern. Von vor der Krise. Parallel zu Zwangsräumungen, Arbeitslosigkeit – ohne die noch so spärlichen Segnungen von Hartz IV – und Korruptionsskandalen ohne Ende wurde nun auch noch der König demontiert. Ausgerechnet jetzt, wo man ihn seit 1981 zum ersten Male wirklich hätte brauchen können: Elefantenabschuss in Botswana, ein Techtelmechtel, und in Folge – kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort – schmerzhafte Knochenbrüche. Also nichts, was einen Kerl wie Ernest Hemingway erschüttert hätte. Aber der hatte es ja auch noch nicht mit der  politisch korrekten Heuchelei und Prüderie des 21. Jahrhunderts zu tun. Und jetzt auch noch der Schwiegersohn und vielleicht sogar die Tochter.   http://www.spiegel.de/panorama/justiz/spanien-prinzessin-cristina-in-finanzskandal-um-urdangarin-belastet-a-883843.html

Ich mag ihn immer noch. Er hat immer noch Charme und Charisma. Aber er hat Autorität eingebüsst. Und die wäre jetzt vonnöten. Wo mit Euromilliarden spanische, „systemische“ Banken saniert werden,  die ihrerseits und ganz gnadenlos ‚faule‘, weil arbeitslose Hypothekenkunden aus ihren Wohnungen und Häusern klagen, um diese dann im Leerstand verrotten zu lassen. Wo Politiker der Regierungspartei Millionen in die Schweiz und nach Übersee geschafft haben. Ein königliches Machtwort wäre jetzt sehr gut. Aber das wird wohl nicht kommen, da offenbar in der eigenen Familie kräftig mitgezockt wurde.

Das hätten wir uns 1988 bei der Begegnung im Zarzuela-Palst nicht träumen lassen. Der König nicht und ich auch nicht.

dER kÖNIG UND ICH 2

5 Antworten to “Der König und ich”

  1. Wimmer Sepp 18. Februar 2013 um 10:57 #

    Hallo Willi! Wir hatten eine tolle Zeit….Haben wir das verdient? Die „spanische Grippe“ könnte sich die EU ja noch einigermaßen leisten, ich befürchte nur, dass jetzt die „französische Krankheit“ noch dazukommt! Medizinisch wäre diese heute zu heilen, ökonomisch sicher nicht. Frankreichs Autoindustrie verkommt und wird mit Staatsmilliarden am Laufen gehalten…Dazu noch Sozialisten die das Geld rauswerfen….Frankreich können die deutschen und die wenigen noch gebliebenen Geberländer nicht mehr retten! Humor hat, wer trotzdem lacht…
    LG Sepp Wimmer direkt aus dem Kitzbühler Skigebiet….

    • guillermoemmark 18. Februar 2013 um 13:04 #

      Jo Sepp, hatten wir wirklich!

      Was die „spanische Grippe“ betrifft, so teile ich Deine Einschätzung – vom EU-Standpunkt her.

      Wenn man allerdings hier lebt und hautnah mitkriegt, wie brutal alles den Bach runtergeht, dann kann einem schon mal ein bisschen mulmig werden. Zumal der spanische Staat bis zum Ausbruch der hiesigen Immo-Krise 2008 deutlich geringer verschuldet war als z.B. Deutschland, man also nicht ohne weiteres von einer „Schuldenkrise“ reden kann.

      Die EU-Rettungsmedizin aus dem Labor von Frau Dr.Merkel schafft hier jeden Tag ein paar Tausend neue Arbeitslose, ein paar Hundert die obdachlos werden, aber dennoch weiter reichlich Bankschulden bezahlen sollen (Diff. zwischen Marktpreis bei Kauf und jetztigem Marktpreis bei Zwangsräumung) und leider auch reichlich Suizide von Menschen, die deshalb weder ein noch aus wissen.

      Als altem Linken erscheint mir da Frau Dr. Wagenknechts Medizin erfolgsversprechender: Pleite-Banken auch pleitegehen lassen (Marktwirtschaft!) und Privateinlagen bis zu 5Mio garantieren, ich glaube soviel hatte sie vorgeschlagen. Dann müsste man sich auch hierzulande nicht über 20 Mio Vorstandsabfindung der „Bankia“ ärgern, einer Bank, die gerade mit 35 Mrd „gerettet“ wurde. Die wären dann halt auch insolvent. Einige dieser Vorständler werden in nächster Zeit auch gar nicht so viel Geld brauchen – sie sitzen auf der Anklagebank und demnächst vermutlich ein – wegen Misswirtschaft und Veruntreuung.

    • schwittek 18. Februar 2013 um 13:43 #

      Lieber Sepp, das hast Du aber schön geschrieben. GlG, Resi – Grüße an Deine Frau 🙂

  2. Heike Gothe 19. Februar 2013 um 10:42 #

    Hallo liebe Resi Schwittek,
    schön von Ihnen zu lesen. Ich war gerade zu Besuch bei Willi auf Mallorca mit dem bescheidenen Versuch die spanische Wirtschaft etwas anzukurbeln. Lieben Gruß Heike Gothe geb: Windhorst

    • schwittek 19. Februar 2013 um 18:51 #

      Liebe Heike,

      schön von Dir zu hören/lesen – ich habe Dein Gesicht noch vor mir. Bist Du bei Facebook – wenn ja wäre das schön, wenn nein, ist es auch nicht so tragisch. Schön, dass wir uns durch Willi „Wiedergefunden“ haben. GlG Resi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: