Archiv | Februar, 2013

Wir faulen Südländer / die zweite

28 Feb

Wer aufgrund der Berichterstattung in deutschen Medien zu der Ansicht gelangt ist, Griechen, Spanier, Portugiesen und Italiener liessen sich ihre „Dolce-Vita-Hängematten-Siesta“ mit von fleissigen, deutschen Werktätigen hart erarbeiteten Rettungsmilliarden finanzieren, dem sei diese Arte-Reportage und anschliessendes Umdenken wärmstens empfohlen !

Es ist nicht nur wie im Krimi, es ist ein Krimi. Und auch in diesem Krimi ist die zentrale Frage „Cui bono – Wem nützt es“? Wo genau ist ganze schöne und mitnichten ‚verbrannte‘ Steuergeld wirklich hingegangen?

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Der König und ich

17 Feb

Der König und ich waren damals, ich glaube es war 1988, noch jünger. Meine KollegInnen und ich waren als Chefreiseleiter eines etwas grösseren, deutschen Reiseveranstalters zu einer Audienz in den Zarzuela-Palast geladen. Der König war ziemlich locker, fluchte auch schon mal ein bisschen – Qué Coño – hatte leicht gerötete Augen und kam also recht sympathisch rüber. Ich mochte ihn sowieso, hatte er doch die noch junge, spanische Demokratie 1981 heldenhaft und ziemlich schlau vor einem Putsch gerettet.

dER kÖNIG UND ICHInzwischen ist der Lack ab. Beim König und leider auch bei mir. Es fliegt uns sozusagen alles um die Ohren. Dem König sogar noch mehr als mir.

Vor ein paar Jahren hatte er noch ordentlich gepunktet, als er dem notorisch dazwischen quatschenden, venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez auf einem Südamerikagipfel  „Warum hälst Du nicht die Klappe“ zurief. Worauf sich dieser – auch nicht schlecht und für seine Nehmerqualitäten sprechend – etwas später bei einem Besuch in Juan Carlos‘ Sommerresidenz in Palma mit T-Shirts revanchierte, auf denen genau das stand – „Porque no te callas“.chavezcamisetanota

Alles Schnee von gestern. Von vor der Krise. Parallel zu Zwangsräumungen, Arbeitslosigkeit – ohne die noch so spärlichen Segnungen von Hartz IV – und Korruptionsskandalen ohne Ende wurde nun auch noch der König demontiert. Ausgerechnet jetzt, wo man ihn seit 1981 zum ersten Male wirklich hätte brauchen können: Elefantenabschuss in Botswana, ein Techtelmechtel, und in Folge – kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort – schmerzhafte Knochenbrüche. Also nichts, was einen Kerl wie Ernest Hemingway erschüttert hätte. Aber der hatte es ja auch noch nicht mit der  politisch korrekten Heuchelei und Prüderie des 21. Jahrhunderts zu tun. Und jetzt auch noch der Schwiegersohn und vielleicht sogar die Tochter.   http://www.spiegel.de/panorama/justiz/spanien-prinzessin-cristina-in-finanzskandal-um-urdangarin-belastet-a-883843.html

Ich mag ihn immer noch. Er hat immer noch Charme und Charisma. Aber er hat Autorität eingebüsst. Und die wäre jetzt vonnöten. Wo mit Euromilliarden spanische, „systemische“ Banken saniert werden,  die ihrerseits und ganz gnadenlos ‚faule‘, weil arbeitslose Hypothekenkunden aus ihren Wohnungen und Häusern klagen, um diese dann im Leerstand verrotten zu lassen. Wo Politiker der Regierungspartei Millionen in die Schweiz und nach Übersee geschafft haben. Ein königliches Machtwort wäre jetzt sehr gut. Aber das wird wohl nicht kommen, da offenbar in der eigenen Familie kräftig mitgezockt wurde.

Das hätten wir uns 1988 bei der Begegnung im Zarzuela-Palst nicht träumen lassen. Der König nicht und ich auch nicht.

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