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On Top Of the World

30 Okt

… ist man zwar auch hier nicht, aber doch ganz schön hoch über dem Alltag: nämlich auf dem Dach der Kathedrale von Palma. Seit einiger Zeit schon kommt man da rauf, aber die nächsten Monate nicht mehr, da ist erstmal eine Winterpause angesagt. Bis nächstes Jahr April.

Auf dem allerletzten Drücker haben ein paar Freunde und ich es aber 2016 gerade noch geschafft und Palma von oben bestaunt. Und das sieht so aus:

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Etwas im Hintergrund – die Basilika San Francisco

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Hier kommen noch etliche Fotos hinzu. Das allerdings kann noch ein Weilchen dauern, da ich derzeit ein (Überladungs-)Problem mit meinem Laptop habe. Geduld!

 

Mallorquinische Dreifaltigkeit – Der unbekannte Heilige

11 Mai

Auch wenn Sie keinen wirklich brandneuen Reiseführer dabei haben, werden Sie  vermutlich wissen, dass die Insel Mallorca immerhin eine Heilige hervorgebracht hat, nämlich Catalina Tomàs aus Valldemosa.

https://de.wikipedia.org/wiki/Catalina_Thom%C3%A1s

Seit letztem Herbst jedoch hat sich die Zahl der örtlichen Heiligen verdoppelt. Weil der Papst anlässlich seines USA-Besuchs den mallorquinischen Franziskaner Junipero Serra heilig gesprochen hat, der es weit, nämlich als Missionar bis nach Kalifornien gebracht hatte, wo er immerhin San Francisco gründete. Das dachte ich jedenfalls.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jun%C3%ADpero_Serra

Bis ich heute durch den kleinen, aber sehr feinen Mallorca-Führer von Tomàs Vibot darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es noch einen dritten Heiligen Mallorcas gibt. Und das ist San Alonso Rodríguez. Der kam  ursprünglich aus Segóvia, wo ihn ein schweres Schicksal ereilte: die Ehefrau und zunächst zwei Kinder, dann auch noch das dritte, wurden durch Krankheiten dahingerafft. Alonso entsagte daraufhin allem Weltlichen, wurde Jesuit, verbrachte die nächsten 46 Jahre bis zu seinem Tod als Pförtner im Monti-sion Kloster in Palma und wurde 1887 heilig gesprochen, also sogar noch vor Catalina Tomàs.

https://de.wikipedia.org/wiki/Alphonsus_Rodriguez

 

 

 

Durch die Wüste

13 Apr

Nachdem ich mich schon eine ganze Weile nicht mehr bei der deshalb ein wenig irritierten Leserschaft gemeldet habe, ist es nun wohl mal wieder an der Zeit. Und leider gibt es auch weniger Angenehmess mitzuteilen. Das hebe ich mir aber lieber für den Schluss auf.

Mein letzter Beitrag hier auf dieser Seite liegt auch schon über ein Jahr zurück. Beides aber wird locker getoppt vom Alter des nun folgenden Fotos.

durch die Wüste

Vor genau vierzig Jahren ist es entstanden. Eine Freundin hat es aufgenommen. Auf der Zugfahrt von Wadi Halfa an der ägyptisch sudanesischen Grenze nach Karthoum, der Hauptstadt des Sudan. Im Zug war es rappelvoll, und wir sind durch die Fenster aufs Dach geklettert, während der Zug mit zwischen zwanzig und dreissig km/h durch die nubische Wüste keuchte. Eine der etwas schemenhaft über das Zugdach laufenden Gestalten bin ich.

Vier Jahrzehnte ist das nun her, und noch immer keucht unser Zug durch die Wüste des Lebens. Aber ich will nicht allzu poetisch werden, sondern lieber darauf aufmerksam machen, dass ich – ‚erst kommt das Fressen , dann kommt die Moral‘ – nach gut vier  Jahren nun doch mal wieder die Stadtrad-Preise erhöhen muss. Und zwar ab dem 1. Mai von bisher  €  28,- auf dann € 33,-.

Die Stadtrad -Touren könnt Ihr weiterhin über verschiedene Reiseleitungen (Thomas Cook, TUI, ITS, Alltours u.a.) buchen, gern auch direkt bei mir: willi@incoming.es

 

Palma – wie es keiner kennt

Rutschiges

28 Dez
Vor genau dreissig Jahren, also 1984, arbeitete ich als 
Chefanimateur im damals noch ziemlich neuen Club Aldiana 
Fuerteventura. Nach einem, vielleicht auch mehreren Absackern 
in der Clubdisco wankte ich mehr nach Hause, als dass ich ging. 
Der Wind blies heftig, wie er das auf Fuerte häufig tut und 
liess mich die rapide austrocknenden Kontaktlinsen spüren. 
Und wehte, noch bevor ich die Gefahr erkannt hatte, die Linse 
aus meinem linken Auge. Der Boden dort war mit diesem schnell 
und dicht wachsenden Sukkulenten-Zeugs bedeckt, das in Spanien 
als 'Corre-Corre" bekannt ist. Trotz meines etwas angedudelten 
Zustandes merkte ich mir die Bungalowgruppe, vor der das Ganze 
passiert war, ging nach Hause und schlief erstmal meinen 
Rausch aus.

Am nächsten Morgen kramte ich meine Brille hervor und begab 
mich zum Frühstück. Vorbei an besagten Bungalows. Ich blieb 
stehen, trat zwischen die Pflanzen, lupfte eines der vielen 
Tausend Blättchen und steckte meine darunter liegende Kontakt-
linse ein.

Diese Geschichte hat gleich mehrere "Morales":

1.) Vollverarschung - Die Linse war durch Austrocknen an der 
    Seite leicht eingerissen und nicht mehr brauchbar, da sie
    mein Auge irritierte und umgehend rötete.

2.) Hätte ich mit durchaus vergleichbarer (Un)Wahrschein-
    lichkeit im Lotto gewonnen, hätte ich mir viele Jahr-
    hunderte lang Kontaktlinsen kaufen können. 
    Und noch so einiges mehr...

3.) Es trifft immer die Falschen. Und wenn's mal den 
    Richtigen - also z.B. mich - trifft, trifft ihn 
    das Falsche.

Aber - "Hurra wir leben noch" und in diesem Sinne schonmal 
                      einen sauguten 
                          RUTSCH! 

Der Ballermann, das Blasorchester und die Gelbe Gefahr

24 Jul

Am Ballermann darf nicht mehr geballert werden. Jedenfalls nicht aus Eimern. Und nicht am Strand. Dort ist das „Eimersaufen“ inzwischen nämlich verboten. Anfangs schickte man noch Trupps von Lokalpolizisten in Begleitung von Dolmetschern zwecks Aufklärung der darob etwas ratlosen Kegelbrüder und Fussballfreunde an den notorischen Strandabschnitt. Inzwischen aber wird scharf geschossen. Wer beim Eimersaufen am Strand erwischt wird und keinen Personalausweis dabei hat – also alle – wird von der Polizei ins Hotel begleitet, wo die Personalien aufgenommen und eine ‚Multa‘ (Ordnungsgeld) von schlappen  € 200 pro Nase kassiert wird.

Der für den angestrebten „Qualitätstourismus“ an der Playa de Palma beabsichtigte Komplettumbau der Playa ist zwar mangels finanzieller Masse auf den Sanktnimmerleinstag verschoben worden, offenbar hat sich aber die Stadtverwaltung  hier auf der untersten Ebene eine neue, sprudelnde Einnahmequelle erschlossen. Und da auch hierzulande die Politiker meist gar nicht, geschweige denn etwas weiter denken, bleibt das voraussehbare Gejammer im nächsten Jahr und nach den Kommunalwahlen abzuwarten. Leidtragende sind dann Kellner, Bratwurstbrater, Einzelhändler und Hotelpersonal. Denn Saufen kann man auch in Bulgarien, und es ist nicht anzunehmen, dass trinkfreudige Vereinsmeier künftig eins zu eins durch karierte Golfhosen und Rolex tragende „Qualitätstouristen“ ersetzt werden.

Während also an der Playa Ruhe und Ordnung einkehren, ploppt der Deckel auf der anderen Seite von Palma, nämlich in Magaluf wieder hoch und der Topf schwappt über. Dort hausen britische Youngster und die saufen noch konsequenter als die Ballermänner – ‚Sex on the Beach‘ wird da nicht nur getrunken, sondern allabendlich zelebriert. Der diesjährige Trend an der ‚Punta Ballena‘ – das ist der britische Ballermann: Blowjobs gegen Freidrinks. Für alle des Englischen nicht Mächtigen – das ist das, was seinerzeit zwischen Monica Lewinsky und Bill Clinton ablief und von dem Clinton damals meinte, es habe nichts mit Sex zu tun.

Grosse Aufregung bis hinauf auf die Regierungsebene. Die britische Regierung ist empört und verlangt die Schliessung der beteiligten Lokale. Der Polizeichef von Calvia, das ist die sehr reiche Gemeinde, zu der auch Magaluf gehört, bemerkt hingegen süffisant, er und seine Leute seien schliesslich nicht für die unzureichende Erziehung britischer Kids verantwortlich. Womit er wohl Recht hat.

Ein Leser der ‚Ultima Hora‘ bringt es schliesslich auf den Punkt und schreibt, all das habe es in Punta Ballena immer schon gegeben und jeder in der Gegend wisse das auch. Das Neue sei, dass die Kids sich inzwischen permanent mit ihren Smartphones filmen und alle Schweinereien sofort auf Facebook posten. Ein zutreffender, wenngleich verblüffender Aspekt. Es gibt nix Neues unter der Sonne, aber jetzt wird’s gefilmt.

Wo aber bleibt die im Titel angekündigte Gelbe Gefahr? Kommt sofort: Immer mehr Chinesen machen mithilfe eines von der spanischen Regierung geförderten Schwarzgeldprogrammes hier Restaurants, „Happy Fish“-Läden (Fische knabbern an Touristenfüssen) und Ein-€uro-Ramsch-Läden auf. Und manche sagen sogar ganz offen worauf das Ganze hinausläuft:krSchamloser Supermarkt gegenüber dem Hotel Kontiki an der Playa de Palma

 

Was uns in Spanien schon wieder blüht

19 Jun

…weiss ich auch nicht. Denn eigentlich wollte ich was zu dem Baum links neben dem rostroten schreiben. Das ist nämlich einer meiner Lieblingsbäume, ein Jacaranda, eine im ganzen Mittelmeerraum und in Nordafrika wunderschön und tiefblau blühende Akazie. Leider hab ich das ein bisschen zu sehr auf die lange Bank geschoben und nun blüht er kaum noch. Mit Argusaugen kann man vielleicht noch den einen oder anderen fast fliederfarbenen Tupfer entdecken. Mehr im Oktober/ November, da kommt die zweite Blüte.

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Wie der rostrote Baum daneben heisst, weiss ich auch (noch) nicht, hoffe es aber bald in Erfahrung zu  bringen…

Vom roten Baum zur roten Furie „La Roja“. Die wurde ja gestern von Chile ‚entthront‘ während sich gleichzeitig (und keineswegs ‚zeitgleich‘) der bisherige spanische König Juan Carlos selbst entthront hat. Etwas, das vielen gewählten Staatschefs weniger leicht fällt. Einen neuen König haben wir schon und von „La Roja“ wird man spätestens bei der EM in zwei Jahren auch wieder hören.

Zum Schluss noch ein Philosoph – dieser hier:

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Das ist Ramon Llull, ein Philosoph, Theologe und Mathematiker aus dem 13. Jahrhundert. Und der bedeutendste Mensch, den die Insel Mallorca jemals hervorgebracht hat. Selbst Rafael Nadal kommt da nicht mit. Llull hat sich sehr um den Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen bemüht. Und das zu einer Zeit, als die allgemeine Maxime noch lautete „Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein.“ Unten auf dem Sockel ist in Arabisch und auf Latein ein Zitat von ihm zu lesen:

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Mein alter Lateinlehrer wusste es schon damals – diese Sprache kann man immer brauchen. Für alle, die kein Latein hatten:

Gerechtigkeit sorgt für Frieden und Unrecht für Krieg.

Demütige Worte sind Boten des Friedens und hochmütige des Krieges.

Das soll sich unser Bundespräsident Joachim I mal hinter die Ohren schreiben. Und zwar ganz dicke!

 

 

 

Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn!

24 Mrz kr

Stimmt! Allerdings ist diese Zeile aus ‚My Fair Lady‘ etwas unpräzise, denn natürlich blühen auch hierzulande die allermeisten Blüten – und wenn man mal von den Oliven absieht – nicht grün, sondern in so ziemlich allen Farbtönen des Spektrums. Es fängt mit der weissen bis rosafarbenen Mandelblüte schon im Januar an. P1010473

Weiter geht es so ab Ende Februar mit den für Mallorca mindestens ebenso typischen aber nicht ganz so berühmten, gelben Margariten. Hier ein Foto von heute und von einem x-beliebigen Strassenrand.

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Und im März blüht dann der Judasbaum. Der heisst so, weil sich Judas Ischariot an einem solchen erhängt haben soll. Daraufhin sei der Baum vor Scham rot angelaufen. Ausserdem sollen die runden Blätter, die sich ähnlich wie beim Mandelbaum erst während der Blüte bilden, an die Silbermünzen erinnern, die Judas für seinen Verrat erhielt. Im Übrigen ist ja bald Ostern und da passt das dann ganz gut. Mich erinnern die Blüten mehr an roten Heringssalat, weshalb ich in unserer etwas unchristlichen Zeit für eine Umbenennung in „Roter-Heringssalat-Baum“ pädiere. Und so sieht der aus:kr

Ja und zum Schluss noch ein Update zu meinem letzten Blog, gleich unter diesem hier. Wir erinnern uns – das letzte Sumpfgebiet im Süden Mallorcas wird trocken gelegt und platt gemacht, um – superkreative Idee – einem Einkaufszentrum zu weichen. Da die mallorquinischen Umweltaktivisten, anders als ihre deutschen KollegInnen, noch nicht den Dreh raushaben, wie man sich medial effizient an Bagger oder Bauzäune kettet und daher weiterhin auf verlorenem Posten und in Facebook kämpfen, gehen die Bauarbeiten und die Zerstörung munter, aber noch nicht mal besonders schnell weiter. Augenblicklich sind sie sogar gestoppt, denn man hat giftige Ablagerungen entdeckt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Immerhin!

Ses Fontanelles – heute und durch eben diesen Bauzaun fotografiert:

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Wie man sieht, blüht selbst dort direkt hinter hinter dem Zaun noch was. Die Natur ist halt zäh, und in weniger als hundert Jahren werden dann vermutlich die Ruinen des Einkaufszentrums wieder im Sumpf versinken.

In diesem Sinne –  trotzdem frühlingshafte Grüsse von

kr

Feuchtgebiete

29 Nov

Feuchtgebiete kommen in der LITERAtur inzwischen recht häufig, in der NAtur aber immer seltener vor. Wussten Sie, dass die Partymeile hinter dem Ballermann 6 früher ein Sumpf war? Heute ja irgendwie auch wieder, damals aber nicht mit Schluckspechten, sondern mit Enten, Reihern (!) und übrigens auch Anopheles-Mücken. Das sind die, die Malaria verbreiten. Und Malaria gab es, man mag es kaum glauben, am heutigen Ballermann bis ins 19. Jahrhundert. Als Gegenmittel wurde Palo verabreicht. Ein von mallorquinischen Mönchen erfundener Schnaps, der neben Johannisbrot und Enzian auch Chinarinde enthält, und die wurde später der Grundstoff für das Malariamittel Chinin.

Malaria haben wir auf Mallorca zum Glück inzwischen nicht mehr, aber noch ein klitzekleines Feuchtgebiet. Das heisst ‚Ses Fontanelles‘ und befindet sich bei Can Pastilla, gleich am Anfang der Playa de Palma.

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Wenn man auf der Autobahn von Palma kommend bei der Ausfahrt 10 abbiegt, kommt man direkt daran vorbei. Gegen Abend sieht man dort gleich neben der Strasse hinter Schilfrohr die Schlafbäume von etwa 60 dort beheimateten Weissreihern. Die sitzen bei Sonnenuntergang zuhauf auf diesen Bäumen. Sieht ein bisschen so aus, als ob es geschneit hätte, und zwar  ziemlich dicke Flocken.

Nicht mehr lange! Denn auch dieser Sumpf, neben dem Naturschutzgebiet Albufeira Park bei Alcudia der letzte auf Mallorca, wird nun trockengelegt. Geschafft haben das millionenschwere Investoren in enger Kooperation mit der lokalen Politik, die sich im Trockenlegen von Sümpfen bestens auskennt. Im hiesigen Gefängnis gibt es inzwischen einen eigenen Trakt für wegen Korruption verurteilte Politiker. Immerhin.

Schon vor Jahren wurde in der südöstlichen Ecke von ‚Ses Fontanelles‘ das durchaus besuchenswerte „Palma Aquarium“ errichtet. Immerhin eine schonende und sozusagen artgerechte Bebauung. Was aber kommt nun und legt den Sumpf endgültig trocken? Na, kommen Sie drauf?

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Genau, ein Einkaufszentrum! Davon haben wir nämlich viel zu wenige auf unserer Sonneninsel und das nächstgelegene ist immerhin drei endlos lange Kilometer entfernt. Ein deutlicher Bedarf also, auch wenn die Kaufkraft der Einheimischen seit 2008 dramatisch gesunken ist und immer mehr Touristen immer weniger Geld ausgeben. Arbeitsplätze heisst auch hierzulande das Zauberwort. 4000 werden hier angeblich geschaffen. Unerwähnt bleibt, dass die woanders verloren gehen. Ganz besonders im familiären Einzelhandel. Ein klares Nullsummenspiel –  Vorteil Investoren. Ein Leser der Lokalzeitung ‚Ultima Hora‘ hat es in einem Kommentar auf den Punkt gebracht: „Detras de una gran excavadora siempre hay un pequeño politico, con un gran bolsillo“ – Hinter einem grossen Bagger steht immer ein kleiner Politiker mit einem grossen (noch zu füllenden) Geldbeutel.

Hier können Sie sich jetzt nochmal angucken, was Sie bei Ihrem nächsten Malle-Urlaub nicht mehr sehen werden!


Ein richtig traurig stimmendes Video. Leider gibt es ausser meinem Blog kaum Informationen auf Deutsch oder Englisch zu diesem Thema. Die Bürger-initiative ‚Salvem Ses Fontanelles‘ ist aber mit sehenswertem Bild- und Videomaterial bei facebook und YouTube vertreten

Happy Birthday Bruder Juniper!

23 Nov

Gemeint ist Junipero (auf Katalanisch Juniper) Serra, ein Franziskanermönch aus dem Zweieinhalbtausend-Seelen-Städtchen Petra, das ziemlich mittig auf Mallorca liegt. Der würde nämlich am Sonntag, dem 24. November 2013 dreihundert Jahre alt werden. Mitfeiern kann er selbst natürlich nicht mehr, denn er ist schon am 28. August 1784 einundsiebzigjährig in Carmel bei Monterry in Kalifornien gestorben.

Diesen Ort, bzw. die Misión de San Carlos Borromeo de Carmelo, aus der der Ort entstand, hatte er 13 Jahre vor seinem Tod selbst gegründet. Carmel erlangte übrigens einen gewissen neuzeitlichen Ruhm, weil  Clint Eastwood dort einige Jahre Bürgermeister war und immer noch dort wohnt. Aber das nur nebenbei – zurück zu unserem mallorquinischen Franziskanermönch. Der ist nämlich der berühmteste Mallorquiner überhaupt. Noch berühmter als selbst das Tennis-As Rafael Nadal oder gar Jürgen Drews, obwohl letzterer ja immerhin selbst proklamierter König von Mallorca ist. Im deutschen Sprachraum ist Serra allerdings kaum bekannt, und auch der durchschnittliche Urlauber an der Playa de Palma kann im Allgemeinen nichts mit seinem Namen anfangen. Das ist schade, denn immerhin gilt der Mönch als Gründer Kaliforniens. Zumindest hat er dort neben Carmel etliche  Missionsstationen gegründet, aus denen sich Städte entwickelt haben, und die kennen wir alle:  San Francisco, Los Angeles,  San Diego und Sacramento sind die bekanntesten.

Wie aber ist er von Mallorca nach Amerika gekommen? Als er sechzehn war, übergaben seine bitterarmen Eltern den Jungen an die Franziskaner. Die hatten ihm, der aufgeweckt und intelligent war, in Petra schon mal Lesen und Schreiben beigebracht, damals ein ziemliches Privileg für einen Bauernburschen. Nun wurde er an das Franziskanerkloster in Palma versetzt (das sehen Sie übrigens auf unserer Altstadttour 1 ), er studierte an der Universität Lluliana in Palma Theologie, wurde zum Priester geweiht und  Professor der Philosophie. Als scharfer Denker und begnadeter Rhetoriker machte er sich dort bald einen Namen.

1748 segelte er zunächst nach Cadiz und von dort weiter nach Veracruz in Nueva España, dem heutigen Mexico. Dort gründeten die Franziskaner unter seiner Leitung fünf Klöster und arbeiteten sich im Laufe der folgenden Jahre bis ins heutige Kalifornien vor, wo sie 21 weitere Missionsstationen gründeten. Die USA würdigten seine Gründertätigkeit und stellten seine Büste, als einzige eines Nicht-US-Amerikaners,  im Capitol in Washington auf. Sehr zum Missfallen der indianischen Urbevölkerung, aus der auch heftig gegen die 1988 durch Papst Johannes Paul II erfolgte Seligsprechung Serras protestiert wurde.

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Unter den Indianern hatte Serra nämlich ein ziemliches Schreckensregiment errichtet. Sie wurden gezwungen, ihre bisherige, ausgewogene Lebensweise als Jäger und Sammler aufzugeben, mussten sesshaft werden, auf engen Raum in von Palisaden umzäunten Wehrdörfern leben, in denen sich Infektionskrankheiten schnell verbreiteten. Dadurch dezimierte sich die indigene Bevölkerung, die um 1820, also nur 36 Jahre nach Serras Tod fast völlig kollabiert war. Die Spanier behandelten die Indianer wie unmündige Kinder, körperliche Züchtigungen waren an der Tagesordnung. Zur dunklen Seite von Junipero Serras Wirken gehörten passender Weise dann auch seine Tätigkeit als Inquisitor und Hexenjäger. Päderast war er aber vermutlich nicht, obwohl manche Betrachter seiner Statuen, auf denen er meist neben einem Indianerjungen dargestellt wird, dies süffisant vermuten. Wenn man Bilder aus der spanischen Missionierung der Amerikas sieht, stellt man allerdings fest, dass dort die Indianer meist halb so gross wie ihre spanischen Missionare und Konquistadoren dargestellt werden – unmündige Kinder halt, so hat man sie gesehen,  so hat man sie be- und eben auch  misshandelt.

Ein Rätsel aber bleibt, und ich habe bisher nirgends auch nur den kleinsten Hinweis zur Lösung gefunden. Vielleicht weiss ja die geneigte Leserin mehr und kann mir auf die Sprünge helfen: Juniper Serra wurde vor dreihundert Jahren auf den katalanischen Namen Miquel Josep Serra i Ferrer getauft. Als er Mönch wurde, nahm er den Vornamen Juniper(o) an. Das ist an sich nichts Besonderes, denn oft nehmen ja Nonnen und Mönche die Namen irgendwelcher Heiliger an. Junipero ist aber kein Heiliger, sondern heisst im Spanischen ‚Wachholder‘ oder schlimmer noch, in einer weiteren Bedeutung ‚Trottel‘.

Ehre, wem Ehre gebührt

16 Sep

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon

Wer baute es so viele Male auf?
In welchen Häusern des goldstrahlenden Limas wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war die Maurer?
Das große Rom ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie?

Das ist leider nicht von mir, sondern von Bertold Brecht. Und Brecht hat Recht. Echt!

Aber obwohl  die mallorquinischen Städteplaner, die seinerzeit an der Playa de Palma ihr Unwesen getrieben haben, mit Brecht wohl weniger am Bein hatten und ihn vermutlich noch nicht einmal kannten, haben sie ein bemerkenswertes Bauwerk ganz in seinem Sinne geschaffen. An der Playa de Palma steht nämlich das meines Wissens einzige Kellner-Denkmal der Welt.  Man kommt dran vorbei, wenn man vom Flughafen  über die Autobahnabfahrt 12 in Richtung Riu Hotels und Ballermann 6 fährt.  Inmitten des Kreisverkehrs steht er da, in Rosenbeete gebettet, die Arme einladend ausgebreitet, eine Serviette lässig über den einen geworfen – der stählerne Kellner von der Playa.  Als ob er sagen wollte, „Kommt her zu mir alle die Ihr durstig seid, ich will euch tränken. Und Ihr, die Ihr mühselig und beladen seid, vergesst es, gleich gibt’s die Happy Hour!“

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Viele sind schon dran vorbeigefahren, kaum einer hat’s bemerkt. Das wiederum hat ein englischer Dichter, der blinde Milton auf den Punkt gebracht: „They also serve who only stand and wait.

Tja das war’s auch schon, ‚Food for Thought‘ wie der Engländer sagt, und für alle Grübler und Lyrik Interessierte jetzt noch der Rest vom Brecht:

Über wen triumphierten die Cäsaren?
Hatte das vielbesungene Byzanz nur Paläste für seine Bewohner?
Selbst in dem sagenhaften Atlantis brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.

Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?

Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg.
Wer siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.

Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte. So viele Fragen.

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